von Markus Rode, Leiter Open Doors Deutschland – 31.03.2020

Seit einigen Wochen ist die Corona-Krise weltweit das beherrschende Thema. Heute möchte ich Ihnen einige Gedanken weitergeben, die mich hierzu aus der Perspektive von Open Doors beschäftigen.
Aufgewacht
Als ich vor rund 17 Jahren die Berufung erhielt, mich bei Open Doors in den Dienst verfolgter Christen zu stellen, war ich noch sehr unwissend. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich in einem Gottesdienst von der weltweiten Verfolgung meiner Glaubensgeschwister erfahren hätte. Doch sollte nicht gerade die gegenseitige Unterstützung als Glieder eines Leibes für uns als christliche Familie ein wesentliches Thema sein? Ich hatte offensichtlich geschlafen, denn ich hätte mir doch auch die Frage stellen können, warum ich nichts von Verfolgung wusste oder warum wir in Deutschland keine Verfolgung erleben, obwohl Jesus sie vorhergesagt hat. Wie passt das mit 2.Timotheus 3,12 zusammen, wo es heißt:
„Übrigens werden alle, die zu Jesus Christus gehören und so leben wollen, wie es Gott gefällt, mit Verfolgung rechnen müssen.“
Vorläufer der Endzeitgemeinde?
Als ich dann bei Open Doors einen größeren Einblick in die weltweite Christenverfolgung erhielt und verfolgte Christen persönlich besucht hatte, wurden mir die Augen geöffnet. Plötzlich las ich die Bibel mit einem anderen Verständnis. Mir wurde bewusst, dass Open Doors ein Endzeitdienst ist, der sich darauf konzentrieren sollte, „den Blutkreislauf zwischen den Gliedern des Leibes Christi wiederherzustellen“, wie ich es nenne. Doch ohne die verfolgten Glieder, die bei uns schlichtweg kaum bekannt waren, konnte das nicht funktionieren. Mir wurde bei meinen Reisen zu verfolgten Christen klar, dass ihre dringende Bitte um Gebet in vielen unserer Gemeinden noch nicht angekommen war.
Ich fragte mich auch, ob die verfolgten Christen die Vorläufer der Endzeitgemeinde sind und wir als Christen im Westen die Nachzügler, weil wir die Vorbereitung mangels eigener Verfolgungserfahrung oder aufgrund einer fehlenden Verbindung zu unseren verfolgten Geschwistern gerade verpassen?
Vorbereitet durch den Sturm
Von verfolgten Christen habe ich im Laufe der Jahre gelernt, dass man sich auf gefährliche Missionen rechtzeitig vorbereiten muss. Sie haben lernen müssen, dass nichts sicher ist, außer den Zusagen, die Jesus uns gegeben hat. Aus diesem Grund führt Open Doors auf Bitten verfolgter Christen seit vielen Jahren in verschiedenen Ländern Seminare mit dem Titel „Fest stehen im Sturm“ zur Vorbereitung auf Verfolgung durch. Auch in Syrien konnten wir dies noch kurz vor dem Krieg tun. Dabei lehren wir besonders die Leiter von Gemeinden, wie sie die Taktiken des Feindes erkennen können, um mit göttlicher Strategie, geistlicher Autorität und der Kraft des Heiligen Geistes den kommenden Stürmen zu trotzen. In Matthäus 24,6-8 sagt Jesus zu seinen Jüngern:
„Ihr werdet aber von Kriegen und Kriegsgerüchten hören; habt acht, erschreckt nicht; denn dies alles muss geschehen; aber es ist noch nicht das Ende […] Und es werden hier und dort Hungersnöte, Seuchen und Erdbeben geschehen. Dies alles ist der Anfang der Wehen.“
Wenn die Corona-Pandemie erst eine der Plagen am Anfang der Wehen ist, dann ist die gute Nachricht, dass wir als Leib Christi noch Zeit haben, uns auf das vorzubereiten, was bis zur Wiederkunft Christi nach Matthäus 24 und der Offenbarung noch vor uns steht. Nutzen wir diese Zeit? Was es heißt, unvorbereitet zu sein, erleben wir gerade angesichts der Dimension und den Folgen des Kampfes gegen die Pandemie.
Seit über 15 Jahren gibt Open Doors den Weltverfolgungsindex heraus, die Liste der fünfzig Länder, in denen Christen am stärksten verfolgt werden. Und seit Jahren berichten wir, dass Ausmaß und Umfang der Christenverfolgung jedes Jahr zunehmen. Für mich ist das ebenfalls ein Zeichen der Zeit. Es ist ein Indikator, der uns wachrütteln soll. Denn in Matthäus 24,9 sagt Jesus:
„Dann wird man euch bedrängen, misshandeln und töten. Die ganze Welt wird euch hassen, weil ihr zu mir gehört.“
Ich frage mich, wie stark die Gemeinde Jesu in dieser Zeit sein wird, wenn die ganze Welt uns hassen wird? Wie stark werden wir mit unseren jetzt schon verfolgten Geschwistern dann verbunden sein, die uns lehren können, wie man in Verfolgung bestehen kann? Wieviel Zeit haben wir noch, diese Verbindung zu stärken?
Gerade lese ich das Buch von Zhang Rongliang, einem Untergrundkirchenleiter eines der größten nichtregistrierten Hauskirchennetzwerke in China, der mehr als fünfzehn Jahre inhaftiert war, unter anderem in grausamen Arbeitslagern. Das Buch, das wir mit Pastor Zhang herausgegeben haben, trägt den Titel „Bis zum Äußersten“. Pastor Zhang wusste um die Bedeutung der Einheit des Leibes Christi in härtester Verfolgung. Deshalb hat er mit Gottes Hilfe dafür gesorgt, dass die größten chinesischen Hauskirchennetzwerke sich trotz mancher Unterschiede zu einer großen Gemeinschaft zusammenschlossen. Er schreibt: „Hätten sich nur 500 Christen den Maßnahmen der Regierung entgegengestellt, das Regime hätte sie alle mit Leichtigkeit wegfegen können. Wären es 5.000 gewesen, hätte man sie vielleicht alle inhaftiert. Aber als wir uns zusammenschlossen, waren wir mehrere Millionen, und das war ein harter Brocken für das Regime.“
Seinen Weckruf verstehen, ihm vertrauen
Jesus möchte, dass wir uns auf die schweren Zeiten der Verfolgung vor seiner Wiederkunft vorbereiten. Dazu gehört, dass wir uns als Glieder des Leibes Christi zusammenschließen. Denn es gibt nicht eine Gemeinde im Urlaub und eine Gemeinde in Verfolgung. Wir sind ein Leib und damit alle Teil der verfolgten Gemeinde – auch hier in Deutschland.
Doch werden wir als seine Nachfolger seinen Weckruf verstehen und ihm vertrauen? Es geht Jesus darum, dass wir uns als Christen wieder neu darauf besinnen, welche Bedeutung er in unserem Leben hat. In Zeiten, in denen Christen sich zeitweise selbst in unserem Land aufgrund der Ansteckungsgefahr mit dem Virus nicht mehr zu Gottesdiensten versammeln dürfen, verstehen wir in sehr abgemilderter Form etwas davon, was es heißt, isoliert zu sein. Viele unserer verfolgten Geschwister kennen dieses Gefühl, nicht nur, wenn sie jahrelang im Gefängnis sind, sondern auch, wenn sie sich selbst in der eigenen Familie fürchten müssen, entdeckt und verfolgt zu werden, weil sie Jesus angenommen haben. Was wäre, wenn uns irgendwann auch der Zugang zum Internet verwehrt würde? Ich glaube, es ist höchste Zeit, den Blutkreislauf zwischen den Gliedern des Leibes Christi gerade jetzt zu verstärken. In Galater 6,10 heißt es:
„Solange wir also noch Gelegenheit haben, wollen wir allen Menschen Gutes tun, am meisten natürlich denen, die zur Glaubensfamilie gehören.“
Während viele Menschen ihr Haus auf Sand gebaut haben, sollten wir als Christen die Zeit auskaufen und die Krise nutzen, unser Haus jetzt auf dem Felsen zu befestigen, solange wir noch Gelegenheit dazu haben. Vor unseren Augen, während die Verfolgung immer härter wird, erleben wir, wie Jesus seine Gemeinde sammelt. Immer mehr Muslime, Buddhisten, Hindus und Kommunisten vertrauen Jesus ihr Leben an, und die Konsequenz ist massive Verfolgung. Einer großen Zahl von Muslimen begegnet Jesus in der letzten Zeit in Träumen und Visionen als „der Weg, die Wahrheit und das Leben“ (siehe Johannes 14,6). Die großen Erweckungen finden derzeit nicht in den USA oder anderen westlichen Ländern statt, sondern dort, wo Christen massiv verfolgt werden, jenseits der Weltöffentlichkeit. Diese Erweckungen kosten einen hohen Preis. Deshalb brauchen unsere verfolgten Geschwister gerade jetzt unser Gebet.
Während verfolgte Christen um unser Gebet bitten, damit sie im Glauben standhaft bleiben, erfahre ich, dass sie wiederum für uns beten, damit wir die Corona-Pandemie überstehen. Mir ist bewusst, dass auch unsere verfolgten Geschwister jetzt unsere Gebete um Schutz vor der Pandemie benötigen, denn für Christen sind die Chancen auf eine medizinische Behandlung oftmals sehr gering und das Gesundheitssystem in vielen Ländern des Weltverfolgungsindex ist katastrophal.
Solange wir noch Zeit haben …
In unserem Land haben viele Menschen seit der Corona-Krise eine größere Offenheit für das Evangelium, nachdem ihre Sicherheit weggebrochen ist. Eine Telefonseelsorgerin berichtete, dass 50 % mehr Anrufe von Rat suchenden Menschen als vor der Pandemie eingehen. Bitte nutzen Sie diese Offenheit und bieten Sie auch Hotlines für Telefonseelsorge von ihrer Gemeinde an und beten Sie, dass viele Menschen Jesus annehmen. Erneuern Sie Ihre persönliche Beziehung zu Jesus. Und bitte verstärken Sie den Blutkreislauf zwischen Ihnen, Ihrer Gemeinde und Ihren verfolgten Geschwistern, solange wir noch Zeit haben. Jeden Samstag um 18:00 Uhr berichten wir über Livestream (www.opendoors.de/livestream) von verfolgten Christen und beten gemeinsam für sie. Die Sendung ist im Anschluss die ganze Woche abrufbar. Bitte setzen Sie diesen Link auch auf Ihre Gemeinde Website und verstärken Sie damit die Verbindung zur verfolgten Gemeinde. Und bitte beten Sie auch für unsere Mitarbeiter, die derzeit sehr herausgefordert sind. Gerade jetzt darf die Unterstützung verfolgter Christen nicht nachlassen, damit Projekte nicht eingestellt werden müssen.
Christus ist die einzige Hoffnung für die Welt – das wird gerade in einer Zeit wie dieser deutlich. Ich danke Ihnen für alle Gebetsunterstützung und wünsche Ihnen einen tiefen inneren Frieden. Jesus ist auch der Herr über diesen Sturm!

Ihr

Markus Rode
Leiter Open Doors Deutschland

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